Dispokredit: Vorteile, Nachteile & Alternativen

von | Aug 10, 2020 | Kredit

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Auf dem Konto sieht es gerade mau aus, aber eine Rechnung will dringend bezahlt werden? Viele Banken gewähren für solche Fälle einen Dispokredit. Praktisch, um kurzfristig und ohne großen Aufwand an Geld zu kommen. Die Schattenseite? Vergleichsweise hohe Überziehungszinsen. Wir beleuchten das Thema Dispokredit hier von allen Seiten und zeigen Dir auch mögliche Alternativen. Mach Dich gleich schlau!

Was ist ein Dispokredit?

Kurz und knapp: Dispokredit = eine begrenzte, eingeräumte Kontoüberziehung.

Du benötigst etwas mehr Geld, als Du auf dem Konto hast? Dann hilft Dir eine eingeräumte Kontoüberziehung, auch bekannt als Dispokredit, in der Regel weiter. Damit hast du die Möglichkeit, Dein Girokonto bis zu einem bestimmten Betrag zu überziehen und kommst kurzfristig sowie flexibel an Geld. Praktisch ist außerdem, dass Du dazu keinen Kreditantrag stellen musst. Aber wie weit darfst Du ins Minus rutschen? Das hängt von individuellen Faktoren ab, wie zum Bespiel Deiner Kreditwürdigkeit und Deinen regelmäßigen Geldeingängen.

Dispokredit: Grundlegende Voraussetzungen und Fragen

  1. Wer? In der Regel können alle kreditwürdigen Personen mit regelmäßigem Monatseinkommen aus nichtselbstständiger Arbeit einen Dispokredit einrichten.
  2. Wann? Du kannst die eingeräumte Kontoüberziehung direkt wählen, wenn Du das Girokonto eröffnest. Oft räumt die Bank Dir auch automatisch mit einer „einseitigen Willenserklärung“ einen Disporahmen ein. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt kannst Du noch einen Dispo einrichten. Dafür meldest Du Dich einfach bei einer Filiale deiner Bank. Oft geht das aber auch mit wenigen Klicks im Online-Banking.
  3. Wie hoch? Die Dispohöhe lässt sich an Deine Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten anpassen. Als Faustregel gilt meist, dass Du Dein Konto bis zu einer Summe in Höhe von drei Monatsgehältern überziehen kannst. Natürlich musst Du diesen Disporahmen nicht in voller Höhe in Anspruch nehmen.
  4. Wie lange habe ich Zeit, die Schulden zurückzuzahlen? Den Zeitraum, den Du benötigst, um den Dispokredit zurückzuzahlen, bestimmst Du in der Regel selbst. Je länger die Laufzeit, umso länger fallen Zinsen für die Kontoüberziehung an. Der Kredit kann außerdem jederzeit gekündigt werden – sowohl von Dir als auch von der Bank. Ändert die Bank die Konditionen und erhöht die Zinsen, hast Du zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht.
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Schon gewusst?

Ein Dispokredit ist in vielerlei Hinsicht flexibel. Um dich beispielsweise vor Überschuldung zu schützen, kannst Du veranlassen, dass Du Dein Konto in einem bestimmten Zeitrahmen nicht überziehen kannst. Außerdem kannst Du das Dispolimit senken und in Absprache mit deiner Bank erhöhen.

Dispokredit abgelehnt?

Banken prüfen vorab die Bonität ihrer Kunden, bevor sie ihnen die Möglichkeit zur Kontoüberziehung einräumen. Finden sie negative Einträge bei einer Auskunftei wie der Schufa, kann der Dispoantrag abgelehnt werden. In diesem Fall solltest Du Deine Einträge kontrollieren. Denn manchmal sind sie nicht mehr aktuell, können berichtigt werden und Du kommst doch noch zu Deinem Dispositionskredit.

Kontoüberziehung: Welche Kosten fallen an?

Es ist von Kreditinstitut zu Kreditinstitut unterschiedlich, wie weit Du Dein Konto überziehen darfst. Banken gewähren oft Dispokredite bis zu drei Monatsgehältern. Mit den Zinsen, die für die überzogene Summe anfallen, verdienen sie unter anderem ihr Geld. Diese werden in der Regel taggenau berechnet und zu festgelegten Zeitpunkten eingezogen, beispielsweise zum Ende eines Quartals.

Auch hier erhältst Du bei unterschiedlichen Banken unterschiedliche Konditionen. Und die Spanne ist groß: Es können Dispozinsen von bis zu 14 Prozent p.a. anfallen. Hier lohnt es sich, schon bei der Kontowahl genau hinzuschauen – zumindest, wenn Du Dein Konto regelmäßig überziehst. Denn durch einen Girokonto-Vergleich findest Du eine Bank mit niedrigen bzw. fairen Dispozinsen.

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Schon gewusst?

Banken und Sparkassen dürfen keine Bearbeitungsgebühren verlangen, wenn Du den Disporahmen Deines Girokontos nutzt. Zu diesem Urteil kamen zum Beispiel das Oberlandesgericht Hamm und das Landgericht Frankfurt/Main. Schließlich zahlen Kunden bereits hohe Zinsen und sollten nicht noch durch zusätzliche Gebühren benachteiligt werden.

Wenn die Bank zustimmt, kannst Du Dein Konto über das Dispolimit hinaus belasten. Das nennt sich geduldeter Überziehungskredit. Dafür fallen die Zinsen in der Regel noch höher aus. Deshalb solltest Du Dich frühzeitig mit der Bank in Verbindung setzen oder Dich gleich für eine Dispokredit-Alternative entscheiden, wenn Du im Voraus weißt, dass Dein übliches Überziehungslimit nicht ausreichen wird. Aber dazu später mehr.

Dispo zurückzahlen: So funktioniert‘s

Anders als bei einem Privatkredit gibt es keine festen monatlichen Raten und keinen festen Zeitrahmen. Die Rückzahlung des Dispokredits ist daher sehr flexibel. Du kannst ihn zum Beispiel einfach mit dem nächsten Gehaltseingang tilgen oder jederzeit Geld von einem anderen Konto überweisen. Je schneller Du ihn zurückzahlst, desto besser ist es natürlich. Denn dann fallen weniger Dispozinsen an.

Was, wenn der Dispo nicht getilgt werden kann?

Es kann passieren, dass Verbraucher ihren Dispokredit nicht zurückzahlen können. Geht das über einen längeren Zeitraum, muss die Bank eine Beratung anbieten, um Lösungsmöglichkeiten zu besprechen. Kannst Du den Kredit nicht ausgleichen, laufen die Zinsen weiter und Du rutschst immer tiefer in den Minusbereich. Diese Regelung gilt unter folgenden Bedingungen:

  • Das Konto wurde sechs Monate lang ununterbrochen überzogen.
  • Der Dispokredit betrug durchschnittlich mindestens 75 Prozent des vereinbarten Dispolimits.

In solchen Fällen kann eine Rückführungsvereinbarung mit der Bank geschlossen werden. Du zahlst dann jeden Monat einen fixen Betrag, bis das Konto wieder ausgeglichen ist. Durch eine solche Rückführungsvereinbarung erhältst Du in der Regel einen negativen Schufa-Eintrag. Daher solltest Du diese Möglichkeit nur wählen, wenn es nicht anders geht. Wie du eine dauerhafte Überschuldung vermeidest, erfährst du weiter unten.

Dispositionskredit: Vorteile & Nachteile im Überblick

Vorteile eines Dispos Nachteile eines Dispos
  • Möglichkeit, einen Geldbedarf kurzfristig zu decken
  • Hohe Flexibilität
  • Unbürokratisch
  • Meist keine zusätzlichen Sicherheiten bei der Bank nötig
  • Kostet nur, wenn der Dispositionskredit auch tatsächlich in Anspruch genommen wird
  • Dispo lässt sich bei Bedarf in einen Ratenkredit umwandeln
  • Hohe Zinssätze
  • Zusätzliche Überziehungszinsen möglich, falls Girokonto über den Kreditrahmen hinaus überzogen wird (nicht bei allen Kreditinstituten möglich)
  • Kann im schlimmsten Fall durch zu sorglosen Umgang mit Geld zu Überschuldung führen

So vermeidest Du Kosten für hohe Dispozinsen

  1. Wechsle das Konto: Wähle ein Girokonto, bei dem der Zinssatz für die Rückzahlung des Dispokredits niedriger ist.
  2. Schulde um: Du kannst einen Ratenkredit aufnehmen, um einen hohen Überziehungskredit auszugleichen. Hier sind die Zinsen in der Regel günstiger – vor allem, wenn Du Angebote vergleichst.
  3. Spare einen „Notgroschen“ an: Damit kannst Du unerwartete Ausgaben decken (beispielsweise eine neue Waschmaschine oder eine Autoreparatur). Es wird empfohlen, mindestens drei Monatsgehälter für den Notfall beiseite zu legen, beispielsweise auf einem separaten Sparkonto. Informiere Dich in diesem Zusammenhang am besten über Sparpläne oder ähnlicheMöglichkeiten, die die Bank Dir bietet.

Dispo oder Kredit?

Ein Dispokredit ist praktisch, um schnell wieder „flüssig“ zu werden und kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Du kommst ohne viel Bürokratie an etwas mehr Geld, als gerade auf Deinem Konto ist. Für kleinere Anschaffungen, die schnell wieder ausgeglichen werden können, ist das durchaus praktisch. Zum Beispiel:

  • Du möchtest ein zeitlich begrenztes Sonderangebot nutzen und das nächste Gehalt kommt schon bald
  • Das Auto geht kaputt und muss sofort repariert werden
  • Kühlschrank oder Waschmaschine sind kaputt und es muss schnell Ersatz her

Jedoch sind, wie bereits erwähnt, die Zinsen bei Dispokrediten meist recht hoch. Tilgt man den Betrag schnell wieder, fällt das nicht so stark ins Gewicht. Bleiben Kontoinhaber dagegen längere Zeit im Minus, kann das teuer werden.

Dispokredit umschulden: So funktioniert‘s

Wer den Dispo nicht mit Erspartem zurückzahlen kann, kann ihn umschulden und in einen Kredit umwandeln. Das ist auch sinnvoll, wenn eine größere Anschaffung ansteht, die nicht innerhalb kürzester Zeit zurückgezahlt werden kann, etwa, wenn die nächste Gehaltsüberweisung eintrifft. Beispielsweise:

  • Ein leistungsfähiger Computer oder Fernseher
  • Neue Möbel wie Bett oder Sofa
  • Ein Umzug oder eine dafür benötigte Kaution

Wenn Du einen Dispo umschulden möchtest, solltest Du Dich mit Deiner finanziellen Situation auseinandersetzen und anschließend Privatkredite vergleichen: Welche Summe benötigst Du? In welchen Raten und über welche Laufzeit hinweg kannst Du den Kredit zurückzahlen? So stellst Du sicher, dass Du möglichst wenig Mehrkosten durch die Umschuldung hast.

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Wichtig zu wissen

Nutzt Du einen Privatkredit, um deinen Dispo zu decken, solltest Du sicherstellen, dass Du die Überziehung nicht mehr in Anspruch nimmst – also der Dispo gänzlich gelöscht ist. So vermeidest Du eine Doppelverschuldung.