Baufinanzierung absichern: So geht’s richtig

von | Jul 31, 2020 | Baufinanzierung

iStock.com/Galina Chetvertina

Stell Dir folgendes Szenario vor: Ein junger Vater mit zwei Kindern muss sein Haus verkaufen, das er gerade noch finanziert. Denn er kann die monatlichen Kreditraten alleine nicht mehr zahlen, nachdem er seine Frau verloren hat. Zum Todesfall in seiner Familie kommt also noch hinzu, dass er seine Immobilie verliert.

Solche und ähnliche Fälle gibt es tatsächlich immer wieder. Dabei könnte man sie vermeiden, indem man seine Baufinanzierung absichert. Natürlich beschäftigt sich keiner von uns gern mit Themen wie Tod, Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit. Trotzdem solltest Du Dich vorbereiten: Zur Absicherung der Baufinanzierung stehen Dir glücklicherweise verschiedenste Möglichkeiten zur Wahl. Welche das sind, kannst Du hier nachlesen.

So kannst Du Deinen Hauskredit absichern

Wenn Immobilienkäufer oder Bauherren einen Kredit aufnehmen, planen sie Laufzeit und Raten zunächst nach ihren aktuellen Einkommensverhältnissen. Aber bis alle Raten abbezahlt sind, kann sich einiges ändern. Nicht immer läuft im Leben alles so, wie wir es planen oder uns wünschen. Deshalb solltest Du am Anfang genau überlegen, welche Lebensrisiken bei Dir eintreten können. Zu den größten Risiken bei langfristigen Investitionen zählen die folgenden:

  • mehr Ausgaben durch Krankheits- und Pflegekosten (auch für nahe Familienangehörige)
  • höhere Ausgaben durch Schäden an oder in der Immobilie
  • langfristig weniger Einkommen, etwa durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Wegfall von Prämien, Arbeitgeberwechsel, Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit oder Tod eines Kreditnehmers

Dementsprechend solltest Du eine Baufinanzierung möglichst gut absichern. Das kannst Du über verschiedene Wege tun. Im Folgenden bieten wir einen Überblick zu allen vorhandenen Optionen und ihren Vorteilen.

Absicherung der Immobilienfinanzierung bei Schäden

Im ersten Schritt solltest Du überlegen, wie Du die Immobilie an sich schützen kannst. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Eine Wohngebäudeversicherung kommt für Schäden am eigenen Haus auf. Dafür muss das entsprechende Gebäude zu mindestens 50 % als Wohnraum genutzt werden. In der Regel sind bei dieser Variante grundlegende Gefahren wie Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasser versichert. Wahlweise lässt sich der Schutz auch auf Risikofaktoren wie Überschwemmungen oder Erdbeben erweitern.
  • Eine Hausratversicherung deckt Beschädigungen und Verluste von persönlichem Inventar ab. Dazu gehören sämtliche Einrichtungs-, Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände in Deinem Haushalt, z. B. Möbel, Computer oder Bücher. Eine solche Versicherung tritt in folgenden Fällen in Kraft: Feuer, Sturm, Hagel, Leitungswasser und Einbrüche. Vandalismus ist meist nur als Folge eines Einbruchs mitversichert.

Haftpflichtversicherung auch für die Baufinanzierung?

Per Definition bedeutet „Haftpflicht“, dass Du Schäden, die Du bei anderen verursacht hast, ersetzen musst. Das gilt auch, wenn durch Dein Eigentum andere Gegenstände oder Personen zu Schaden kommen. Eine Haftpflichtversicherung ist daher bei eigenen Immobilien genauso sinnvoll wie bei eigenen Autos. Als Hausbesitzer solltest Du eine private Haftpflichtversicherung abschließen. Auf diesem Weg bist Du für zahlreiche Unglücksfälle gerüstet, darunter:

  • lockere Dachziegel, die herunterfallen
  • glatte Gehwege vor Deiner Haustür, die Du nicht rechtzeitig gestreut hast
  • Solarstromanlagen, die bei schweren Stürmen umstürzen

Vermietest Du Deine Immobilie jedoch, brauchst Du zudem meist eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Sie sichert Dich als Vermieter des Gebäudes ab. Diese Police benötigen beispielsweise häufig auch Besitzer von unbebauten Grundstücken oder Eigentümergemeinschaften eines Mehrfamilienhauses.

Sei Dir zudem bewusst, dass nicht alle Versicherer die gleichen Leistungen anbieten. Gerade bei exotischen Bezeichnungen der Police, solltest Du daher unbedingt hinterfragen, was genau Du damit versicherst. Umgekehrt gilt auch: Nur weil die Versicherung identisch bezeichnet wird, beinhaltet sie nicht automatisch die gleichen Leistungen. Prüfe Deinen Versicherungsschutz daher genau.

Extra-Tipp!

Baust Du gerade ein Haus oder sanierst Deine Immobilie, denke über eine Bauherrenhaftpflicht nach. Sie sichert Dich finanziell ab, wenn sich jemand auf Deiner Baustelle verletzt oder einer Person durch Deine Baustelle ein Schaden entsteht. Eine Bauleistungsversicherung kommt hingegen für Sachschäden auf, die während dem Bau an Deinem Gebäude entstehen. Erkundige Dich vorab bei Deinem Bauträger, welche der beiden Versicherungen ggf. schon durch ihn abgedeckt werden.

Baufinanzierung absichern bei gesundheitlichen Problemen

Natürlich kann es auch passieren, dass Du unerwartet krank wirst und infolgedessen nicht mehr arbeiten kannst. Grundsätzlich sorgt in solchen Fällen die Krankenkasse für finanzielle Unterstützung. Aber Deinen Baukredit musst Du weiterhin selbst zahlen – auch wenn Du zwischenzeitlich nicht Dein volles Gehalt bekommst. Wenn Du länger als 42 Tage gesundheitsbedingt kein Geld verdienen kannst, erhältst Du als gesetzlich versicherter Arbeitnehmer zwar Krankengeld. Der Betrag liegt allerdings deutlich unter dem regulären Nettoeinkommen : Meist sind es maximal 70 Prozent, wenn Du Kinder hast. Verdienst Du mehr als die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze (Stand 2020: 56.250 Euro brutto jährlich), fällt der Prozentsatz deutlich geringer aus. Manche Arbeitgeber stocken das Krankengeld noch eine Zeit lang auf. Wie viel Du bekommst, hängt also auch von Deiner persönlichen Situation ab. Um eine Absicherung der Baufinanzierung im Krankheitsfall zu gewährleisten, kannst Du weitere Zusatzversicherungen abschließen.

Mögliche Zusatzversicherungen

  • Eine private Unfallversicherung hilft Dir, wenn Du nach einem Unfall körperlich eingeschränkt bist. Hier gibt es verschiedene Bausteine, die Du Dir häufig individuell zusammenstellen kannst.
  • Eine Krankentagegeldversicherung deckt die finanzielle Lücke, die bei längeren Ausfällen (42 Tage und mehr) entsteht. Privat versicherte Arbeitnehmer brauchen diesen Zusatz unbedingt, da sie ansonsten kein Krankengeld erhalten . Die einzige Ausnahme: Beamte haben auch bei langwierigen Krankheiten Anspruch auf ihr volles Gehalt. Selbstständige mit privater Krankenversicherung sollten ebenfalls an diesen Schutz denken. Sie müssen ihren Verdienstausfall komplett eigenständig absichern.
  • Die sogenannte Dread-Disease-Versicherung bietet zusätzlichen Schutz bei besonders schweren Krankheitsfällen, um die Baufinanzierung abzusichern. Hierzu zählen neben Krebs oder Multiple Sklerose auch Schlaganfälle und Herzinfarkte.
  • Eine Grundunfähigkeitsversicherung tritt in Kraft, wenn elementare Tätigkeiten im Alltag nicht mehr möglich sind. Als Grundfähigkeiten gelten beispielsweise Gehen, Treppensteigen, Autofahren oder Schreiben auf der Tastatur.
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Wichtig zu wissen

Eine normale Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) kann die Baufinanzierung oft nicht abdecken. Kreditnehmer mit chronischen Erkrankungen oder riskanten Berufen erhalten eine BUV entweder gar nicht oder zu hohen Beiträgen. Im Vergleich dazu fallen die genannten Alternativen deutlich günstiger aus.

Risikoabsicherung für die Baufinanzierung – Schutz im schlimmsten Fall

Abgesehen von Krankheiten beeinträchtigen auch Unfälle mitunter die finanzielle Situation. Solltest Du beispielsweise mit dem Auto verunglücken, kann dies langwierige Folgen haben:

  • medizinische Behandlungen
  • Schmerzensgelder für die Gegenseite
  • Übergangs- und Pflegegelder
  • Umschulungen bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit

Für solche und ähnliche Belastungen gibt es eine Unfallversicherung. Im Gegensatz zur Kfz-Haftpflichtversicherung deckt diese Schäden an Deinem Eigentum bzw. Deiner Person ab.

Für absolute Worst-Case-Szenarien gibt es noch eine Option: die sogenannte Risikolebensversicherung. Damit erhalten Hinterbliebene finanziellen Rückhalt, falls der Hauptverdiener oder Partner in der Familie überraschend sterben. Denn entweder bricht dadurch eine große Einnahmequelle weg oder es entstehen neue Kosten beispielsweise, wenn der Hinterbliebene auf einmal Haushaltshilfen oder Kinderbetreuung bezahlen muss. Ein solcher Schutz empfiehlt sich vor allem, wenn neben Partnern auch Kinder im Spiel sind.

Schließt Du eine Risikolebensversicherung für Deine Baufinanzierung ab, sollte die Deckungssumme mindestens den Immobilienkredit absichern. Die monatlichen Beiträge richten sich nach der Laufzeit, dem Alter und dem Gesundheitszustand des Versicherten. Eine Risikolebensversicherung kannst Du übrigens auch mit fallender Versicherungssumme abschließen. Der Versicherungsbeitrag wird dann mit der Zeit geringer abhängig von der Restschuld Deines Kredits.

Zwei weitere Tipps für die Baufinanzierung

  1. Alternativ zur Risikolebensversicherung kannst Du eine sogenannte Restschuldversicherung abschließen. Dadurch müssen Hinterbliebene nach einem plötzlichen Todesfall das restliche Darlehen einer Bank nicht selbst zahlen. Hier solltest Du allerdings Angebote vergleichen, damit die Versicherung nicht zu teuer wird.
  2. Du musst nicht immer die volle Darlehenssumme Deiner Baufinanzierung absichern. Wäge am besten ab, ob das für Dich infrage kommt. Denn einerseits zahlst Du weniger für die Absicherung. Andererseits musst Du die Kosten stemmen können, die im Ernstfall entstehen.

Baufinanzierung und Arbeitslosigkeit

Ein letztes Risiko, das Du jederzeit im Auge behalten musst, ist eine unerwartete Kündigung. Heutzutage wird der Berufsalltag immer schnelllebiger und unbeständiger. Vor diesem Hintergrund solltest Du auch überlegen, was zu tun ist, falls Du einmal Deinen Job verlierst. Auf Wunsch lässt sich eine Restschuldversicherung so einrichten, dass sie auch bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit greift. Auf diesem Weg kannst Du die Ratenzahlung für Deine Baufinanzierung bis maximal 18 Monate absichern, danach übernimmt die Versicherung jedoch keine weiteren Leistungen.

Extra-Tipp!

Um für Zeiten der Erwerbslosigkeit vorzusorgen, solltest Du daher Geld sparen. Grundsätzlich raten Experten, mindestens drei Netto-Gehälter jederzeit als Rücklage auf dem Konto zu haben.

Wieviel kostet eine Absicherung der Immobilienfinanzierung?

Zu guter Letzt bleibt noch zu klären, welche der angebotenen Versicherungen am günstigsten ausfallen. Für Sparfüchse haben wir zunächst eine gute Nachricht: Ein ausreichender Schutz muss nicht unbedingt teuer sein. Risikolebensversicherungen mit 100.000 Euro Deckungssumme gibt es bereits für wenige Euro monatlich. Die Höhe Deiner Beiträge hängt unter anderem auch von Deinen Kreditraten ab. Wie hoch diese sein können, zeigt unser Online-Ratgeber zu Baufinanzierungen im Vergleich.

Deine Baufinanzierung richtig, günstig & individuell absichern

„Günstig“ bedeutet hier nicht nur niedrige Preise, sondern auch individuell abgestimmte Leistungspakete. Prinzipiell gibt es nicht die „eine“ richtige Absicherung bei der Baufinanzierung. Vielmehr kommt es darauf an, persönliche Voraussetzungen und Bedürfnisse genauestens zu prüfen:

Checkliste: Wie wähle ich die richtige Absicherung?

  • Welche Art von Beschäftigtenverhältnis liegt vor? Bist Du festangestellt, selbstständig oder verbeamtet?
  • Hast Du bereits Kinder oder möchtest Du in Zukunft eine Familie gründen?
  • Übst Du einen Beruf mit erhöhtem Risiko aus, z. B. Dachdecker, Flugbegleitung, Feuerwehr oder Polizei?

Dies sind nur einige der Fragen, die bei Deinem Versicherungsschutz eine Rolle spielen. Je nachdem, wie sich Dein jetziger Alltag und Deine Zukunftspläne gestalten, kommen verschiedene Lösungen infrage.

Allgemein gilt dabei die Faustformel: Je höher die Fremdfinanzierung, desto wichtiger die Risikovorsorge.

Im Zweifelsfall solltest Du also lieber auf Nummer Sicher gehen und einen umfangreicheren Schutz wählen. Damit zahlst Du vielleicht ein paar Euro mehr im Monat – aber wenn es hart auf hart kommt, musst Du Dir so um Dein Eigenheim keine Sorgen machen.