Kredit aufnehmen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

von | Aug 14, 2020 | Kredit

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Du möchtest ein Auto kaufen, eine große Reise machen oder ein Studium finanzieren? Dafür nehmen viele einen Kredit bei einer Bank auf. Kurz gesagt funktioniert das folgendermaßen:

  • Du leihst Dir als Kreditnehmer eine bestimmte Summe von einem Kreditinstitut.
  • Daraufhin zahlst Du innerhalb einer festgelegten Laufzeit monatliche Raten.
  • Deine monatlichen Raten beinhalten zum einen die Tilgung – also die Rückzahlung – Deines Kredits und zum anderen den Zins für die Bank.

Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es dabei zahlreiche Variationsmöglichkeiten. Je nachdem, für welchen Zweck Du einen Kredit aufnehmen möchtest, hast Du verschiedene Optionen. Damit Du die richtige Lösung findest, haben wir eine Übersicht zu den wichtigsten Kriterien zusammengestellt. Hier kannst Du nachlesen, was Du bei der Kreditaufnahme unbedingt bedenken solltest – vom Antrag bis zur letzten Monatsrate.

Worauf Banken bei einem Kreditantrag achten

Bevor Du Angebote von Kreditgebern vergleichst, musst Du zunächst überlegen: Erfüllst Du alle Voraussetzungen, damit Du einen Privatkredit aufnehmen kannst? Anbieter ziehen unterschiedliche Faktoren heran, um die Kreditwürdigkeit (oder Bonität) von Antragstellern zu prüfen. Dazu gehören in erster Linie:

  • Volljährigkeit
  • Wohnsitz in Deutschland
  • deutsche Bankverbindung
  • regelmäßiges Einkommen
  • Schufa-Auskunft ohne negative Einträge

Je nach Kreditart können noch weitere Aspekte hinzukommen. Bei einer Baufinanzierung spielen beispielsweise die Lage der Immobilie und das vorhandene Eigenkapital eine Rolle. Darüber hinaus kann auch ein zweiter Kreditnehmer Deine Chancen auf ein Darlehen erhöhen. So haben Banken eine zusätzliche Absicherung für den Fall, dass Du einmal zahlungsunfähig wirst. Bei einer solchen Mithaftung gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Zwei Personen (z. B. Ehepartner) unterschreiben den Kreditvertrag.
  2. Eine zweite Person (z. B. ein Elternteil) übernimmt eine Bürgschaft. Sollte der Kreditnehmer die Monatsraten nicht mehr zahlen können, springt der Bürge ein.

Kredit aufnehmen: Das sind Deine Möglichkeiten

Angenommen, Du erfüllst die Voraussetzungen für einen Kredit. Dann wählst Du im nächsten Schritt ein passendes Darlehen aus. Zum einen kommt es darauf an, wie viel Geld Du insgesamt benötigst. Ebenso relevant ist auch, wofür Du die Darlehenssumme nutzen möchtest. Als Navigationshilfe haben wir hier Deine Optionen und ihre Vorteile zusammengefasst.

Gängige Kreditarten im Überblick

Planst Du einen größeren Urlaub? Vielleicht möchtest Du Dir sogar den Traum von einer Weltreise erfüllen? Möglicherweise brauchst Du auch ein neues Auto? Oder möchtest Du einen Kredit aufnehmen, um Dir Dein Studium zu finanzieren? Für diese Gelegenheiten gibt es unterschiedliche Kreditarten:

  • Ratenkredit
    Um Anschaffungen wie Elektrogeräte oder ähnliche Gebrauchsgegenstände zu finanzieren, empfiehlt sich ein gewöhnlicher Ratenkredit – auch Konsumenten- oder Verbraucherkredit genannt. Darlehen von bis zu 50.000 Euro sind möglich. Die Laufzeiten können sich von sechs Monaten bis hin zu zehn Jahren erstrecken.

Spezialfall: Zweckgebundener Kredit
Während Du den eben genannten Ratenkredit für beliebige Zwecke verwenden kannst, gibt es auch Darlehen, die an einen bestimmten Verwendungszweck geknüpft sind. Einen Autokredit darfst Du beispielsweise nur aufnehmen, um ein Kraftfahrzeug zu kaufen. Bei einigen Banken dient das Fahrzeug dann beispielsweise als Sicherheit.

 

  • Studienkredit
    Viele Studierende können BAföG beantragen, um ihre Hochschulausbildung zu finanzieren. Was aber, wenn Du nicht BAföG-berechtigt bist oder diese Form der Unterstützung nicht ausreicht? Dann kannst Du einen Studienkredit aufnehmen. Im Vergleich zum Ratenkredit erfolgt die Auszahlung nicht auf einmal, sondern monatlich. Außerdem beginnt die Rückzahlungsphase in der Regel erst nach dem Studium.
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Schon gewusst?

Die Abkürzung BAföG steht für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Damit bietet der Staat Schülern und Studenten finanzielle Unterstützung. Wer BAföG bezieht, bekommt einen Kredit in monatlichen Raten, der nur zur Hälfte zurückgezahlt werden muss. Wie hoch die monatliche Bafög-Förderung ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel Geld Du nebenbei verdienst und wie hoch das Einkommen Deiner Eltern oder, wenn Du verheiratet bist, Deines Ehepartners oder Deiner Ehepartnerin, ist.

Kreditangebote im direkten Vergleich

Unabhängig von einzelnen Kreditarten gibt es einige Konditionen, die Du in jedem Fall berücksichtigen solltest. Für Dich als Kreditnehmer stellt sich natürlich in erster Linie die Frage: Wie hoch werden die Zinsen ausfallen, wenn Du ein Darlehen aufnimmst? Grundsätzlich solltest Du Dich nicht vorschnell von Werbeversprechen locken lassen, sondern genau hinsehen. Denn nicht immer lässt sich sofort erkennen, wie günstig oder teuer ein Kredit letztendlich wird. Beachte daher, dass es einen Unterschied zwischen Soll- und effektivem Jahreszins gibt:

  • Der gebundene Sollzins beinhaltet nur die Zinsen, die Du für die Bereitstellung der Darlehenssumme zahlst.
  • Der effektive Jahreszins umfasst dagegen die Kreditgesamtkosten pro Jahr: Sollzins, Tilgungssatz und die Dauer der Zinsfestschreibung.

Für den direkten Kreditvergleich solltest Du immer den effektiven Jahreszins als Maßstab heranziehen. So gehst Du sicher, dass am Ende keine ungeplanten Kosten dazukommen.

Wie viel Kredit kannst Du Dir leisten?

Bevor Du einen Kredit aufnimmst, solltest Du außerdem gründlich überlegen, welches Budget Dir pro Monat zur Verfügung steht. Dafür ziehst Du von Deinem Einkommen alle Fixkosten (z. B. Miete, Essen, Versicherungen, Handyvertrag) ab. Sollten dann beispielsweise noch 500 Euro übrigbleiben, kannst Du 300 Euro für die Kreditraten aufwenden. Den Rest planst Du als monatlichen Puffer ein.

Alles in allem solltest Du Folgendes gut abwägen: Einerseits sind die Zinsen vielleicht sehr günstig. Andererseits belastet eine zu hohe monatliche Rate Deine Geldbörse möglicherweise so sehr, dass Du Dich in anderen Belangen stark einschränken müsstest. Jedoch möchtest du keine allzu lange Laufzeit für Deinen Kredit, sondern die Schulen so schnell wie möglich wieder zurückzahlen … ? – Es gilt also einen guten Mittelweg zu finden, der zu deiner persönlichen Situation passt.

Extra-Tipp!

Die günstigsten Konditionen für Deinen Privatkredit bekommst Du nicht immer bei Deiner Hausbank. Deshalb lohnt es sich, Kreditangebote zu vergleichen. Das kannst Du auf unabhängigen Online-Plattformen wie vergleich-auch-du tun.

Günstig Kredit aufnehmen & Vertrag abschließen

Nachdem Du Dich für eine Bank entschieden hast, musst Du als nächstes einige Formalitäten regeln. Um einen Kreditvertrag abzuschließen, brauchst Du normalerweise folgende Unterlagen:

  • Einkommensnachweise
    (Lohn- oder Gehaltsabrechnung bei Arbeitnehmern, Einkommenssteuerbescheide bei Selbstständigen)
  • Kontoauszüge der letzten zwei bis vier Monate (in Kopie)
  • eigene Angaben zu Einnahmen und Ausgaben (z. B. Unterhaltsverpflichtungen oder bestehende Kredite)
  • Kopie des Personalausweises
  • aktuelle Schufa-Auskunft (erstellt die Bank im Bedarfsfall)

Wenn Du einen Kredit aufnehmen möchtest, kannst Du dafür einen persönlichen Termin vor Ort in der Filiale machen. Oft geht das inzwischen aber auch voll automatisiert online – nicht nur bei Direktbanken. Das funktioniert folgendermaßen:

  • Du wählst im Internet ein Kreditangebot aus und schickst eine Anfrage.
  • Daraufhin sendet Dir die Bank Unterlagen mit ausführlichen Informationen per Mail zu.
  • Offene Fragen kannst Du telefonisch mit einem Berater klären.
  • Deine Identität wird über das Postident-Verfahren oder per Videochat bestätigt.
  • Es dauert meist nicht lange, bis die Bank Deine Unterlagen geprüft und die Kreditvergabe genehmigt hat. Bei einigen Anbietern wird der Kredit sogar innerhalb von etwa 30 Minuten bewilligt. Wenn alles klappt, hast Du den gewünschten Betrag in Kürze auf Deinem Konto.

Indem Du einen Kredit online aufnimmst, kannst Du Zeit sparen. Wenn du Wert auf persönlichen Kontakt legst, ist die Antragstellung vor Ort aber vielleicht eher etwas für Dich.

Welche Variante Dir auch lieber sein mag – gerade bei größeren Krediten empfiehlt es sich, die Einzelheiten und Möglichkeiten mit Experten zu besprechen. Viele Banken bieten Beratungsgespräche heute auch per Videokonferenz an, so dass Du nicht erst die Filiale aufsuchen musst.

Rückzahlung der Kreditsumme

Wenn der Vertrag unterzeichnet und die Kreditsumme überwiesen ist, fängt der wichtigste Teil erst an: Nun musst Du bis zum Ende der Laufzeit die geliehene Summe in monatlichen Raten abbezahlen. Damit das reibungslos gelingt, solltest Du unbedingt vor Abschluss des Kredits einen langfristigen Finanzplan erstellen. Das heißt konkret, dass Du nicht nur die jetzige Einkommenssituation, sondern auch zukünftige Entwicklungen berücksichtigst. Dazu solltest Du Dir folgende Fragen stellen:

  • Gibt es die Möglichkeit einer Sondertilgung, also einer außerplanmäßigen Rückzahlung (beispielsweise im Falle einer Erbschaft)?
  • Kannst Du unter Umständen eine Ratenpause einlegen, falls Du einige Monate knapp bei Kasse bist?
  • Was passiert bei unvorhergesehenen Schicksalsschlägen? Bist Du für solche Fälle ausreichend abgesichert, wenn Du einen Privatkredit aufnimmst?

Die letzte Frage spielt eine umso wichtigere Rolle, je höher die jeweilige Darlehenssumme ist. Wer einen Konsumentenkredit aufnehmen möchte, kann eine Restkredit- bzw. Restschuldversicherung abschließen. Diese tritt in Kraft, wenn der Kreditnehmer unerwartet zahlungsunfähig wird. Gründe können zum Beispiel eine überraschende Kündigung oder eine schwere Krankheit sein. Die Versicherung übernimmt dann für einen festgelegten Zeitraum die Ratenzahlung (im Todesfall auch die Restschuld, also die noch offene Summe). So hast Du die Gewissheit, dass Du trotz Deines Kredits gut durch schwierige Zeiten kommst.